Diese Seite drucken

10. Sommerakademie im Kloster Vinnenberg

Claudia Zumbrock

10. Sommerakademie im Kloster Vinnenberg

„Berührung und Resonanz“ lautete das Thema der diesjährigen Sommerakademie der C. G. Jung-Gesellschaft Köln. Zum 10. Mal fanden sich in der ersten Augustwoche unter der Leitung von Prof. Brigitte Dorst, Thomas Schwind und Dr. Carl Möller rund 40 Teilnehmer im münsterländischen Kloster Vinnenberg zu einer erfahrungsreichen Woche mit Workshops, Vorträgen und unterschiedlichen Begegnungsmöglichkeiten ein.

Das Leitthema war durchaus als eine Resonanz auf die Pandemie und die damit verbundenen erzwungenen Isolierungen und Kontaktbeschränkungen zu verstehen, im Sinne einer vertieften Einlassung auf die Bedeutung von Berührung und Resonanz für lebendiges  Wachstum und Selbst-Wahrnehmung, sowohl im individuell-persönlichen wie im kollektiv-gesellschaftlichen Entwicklungsraum. Auch die Resonanz der Workshops gab darauf eine Antwort: Besonders großes Interesse fanden die Kurse von Thomke Weymann zur Leibarbeit nach Karlfried Graf Dürckheim und die Atem- und Stimmarbeit mit Anne Klare, die körperliche Resonanz- und Wahrnehmungsräume in den Mittelpunkt stellten. Mit Gunhild Seyfert explorierten die Teilnehmer ihre inneren Resonanzräume im kreativen Schreiben.

Input zum Nachdenken, Reflektieren und Diskutieren boten tägliche Vorträge, die das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten: Prof. Wilhelm Schmid entfaltete die grundlegenden Dimensionen und führte u. a. vor Augen, wie existenziell Tastsinn und Berührung schon im embryonalen und Säuglingsalter sind, um Menschwerdung und Entwicklung zu ermöglichen – so wie auch am Ende des Lebens im Spüren der gehaltenen Hand oftmals die letzte Sinneswahrnehmung liegt. – Mit dem Physiker und Theologen Prof. Ulrich Lüke sannen die Teilnehmer der Lücke in der Wahrnehmung unmittelbarer Gegenwart nach, die als selbst physikalisch nicht messbarer Moment den Resonanzraum göttlicher Wirk- und Schöpfungskraft in sich bergen könnte. – Zu einer thematischen Literatur-Reise lud Dr. Irene Berkenbusch-Erbe ein. Und mit Dr. Ursula Bernauer folgten die Teilnehmer dem Jahrtausende alten Bild des Engels als mittelnder Resonanzfigur zwischen Transzendenz und Immanenz in mythischen, biblischen und literarischen Texten und Darstellungen.

Zeit für persönliche Begegnungen, Austausch, Gespräche oder auch Rückzug in die eigenen inneren Resonanzräume boten vielfältige Gelegenheiten bei Konzerten in der Klosterkirche, morgendlichen Einstimmungen mit Yoga, Meditation, Focussing, aber auch in der Berührung mit der Natur im weitläufigen Klostergarten und umliegenden Wäldern.

Seit zehn Jahren kooperieren die C. G. Jung-Gesellschaft Köln und das Kloster Vinnenberg bei der Ausrichtung der jährlichen Sommerakademie. Der besondere Ort hat eine fast 800jährige Geschichte der Kontemplation und des Gebetes: nachdem 2005 die letzten Benediktinerinnen dort auszogen, ist dort mit seinem Wiederaufbau eine „Sinn-Bildungsstätte“ und spirituelles Zentrum entstanden.

Gelesen 241 mal